Spitfire [1994]

Genre: Horror / Thriller
Originaltitel: Spitfire [alter deutscher Alternativ-Titel: Agentin wider Willen]
Laufzeit: ca. 87:08 Min. (ohne Abspann)
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 1994
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Albert Pyun
Autor: Albert Pyun (Story), Albert Pyun, David Yorkin und Christopher Borkgren (Drehbuch)
Musik: Anthony Riparetti
Darsteller: Kristie Phillipis, Sarah Douglas, Tim Thomerson, Lance Henriksen, Debra Jo Fondren


Kurzinhalt:

Top-Spion Richard Charles (Lance Henriksen) wird von Ex-Flamme und Konkurrenz-Spionin Carla (Sarah Douglas) aufgegriffen, die von ihm streng geheime Codes stehlen will. Zwar kann Richard mit den Codes fliehen, doch seine aktuelle Agenten-Freundin Amanda Case (Debra Jo Fondren) stirbt dabei.

Zur selben Zeit hat die heißblütige junge Athletin Charlie Case (Kristie Phillips) ganz andere, sportliche Sorgen, steht sie doch in einem harten Konkurrenzkampf. Statt ihrer Mutter Amanda taucht schließlich Richard nach der Ausscheidung auf, der sich als ihr Vater entpuppte. Viel Zeit bleibt den Beiden aber nicht, denn kaum hat Richard ihr unbemerkt die Codes zugesteckt, da wird er auch schon von Carlas Leuten gestellt.

Mit Richard als Geisel bläst Carla nun zur Jagd auf Charlie, die zwar nicht weiß, wie ihr geschieht, aber durchaus, wie sie sich wehren muss…

 


Kritik:

Es tut mir beinahe leid, dies all seinen sicherlich existierenden Fans sagen zu müssen, aber Albert Pyun erweist sich mit diesem Werk als Stümper. Selbst, wenn er in seiner Laufbahn einen mir noch unbekannten Film gedreht haben sollte, der eine gewisse Leistung belegen würde, kann auch der nicht dafür entschuldigen, was Pyun hier verbrochen hat.

Es würde mich tatsächlich interessieren, was Pyuns ursprüngliche Intention für die Geschichte gewesen ist, die ja schließlich aus seiner Feder stammt. Sollte Spitfire ein Agentenfilm im Stile der späten 70er und frühen 80er Jahre werden, der mit teilweise harten Actionszenen, etlichen Verfolgungsjagden, dem Konflikt des Kalten Krieges sowie ironischen Sprüchen aufwartet? Oder sollte es vielmehr eine modernisierte Variante der gerade erläuterten Erzählmuster werden, die einen satirischen Blick auf vergleichbare Filme älteren Datums wirft?

Ganz gleich, was die ursprüngliche Absicht gewesen sein mag, zuletzt zählt das fertige Ergebnis und danach muss sich Pyun auch beurteilen lassen. Dabei kommt man leider nicht umhin festzustellen, dass der Film keinem der beiden vorgenannten Ansprüche genügt.
Für einen zwar ironisch gebrochenen aber doch ernsthaften Beitrag zum Agententhriller-Genre ist der Film von zu viel unfreiwilligem Humor durchzogen, bietet zu wenig gute Action und ist schlicht zu schlecht umgesetzt. So taugt er nicht einmal als Konkurrent zu einem Michael Dudikoff-Vehikel. Auf der anderen Seite reichen die durchaus vorhandenen Verweise auf James Bond und Konsorten zwar für das eine oder andere Schmunzeln, aber nicht um eine echte Satire oder Parodie zu liefern. Man hat stattdessen permanent das Gefühl, etwas zu sehen, das nicht bewusst mit den Konventionen spielt und diese stellenweise karikiert sondern das einfach schlecht geklaut ist. Es verwundert nicht, dass Pyuns Co-Autoren hiernach wieder völlig von der Bildfläche der Filmindustrie verschwanden.

Zu dem Problem des unausgegorenen Drehbuchs kommen noch Umstände wie dass der Film schon zum Zeitpunkt seiner Entstehung anachronistisch wirkte. Dümmlich agierende Charaktere werden von meist theatralisch chargierenden Darstellern durch klischeebeladene Szenarios gejagt und dabei leider auch von der Regie völlig im Stich gelassen, die von Bildkompositionen und Spannungsaufbau noch nie etwas gehört zu haben scheint.

Die Action zu beurteilen fällt schwer, weil dieser Filmkritik leider nur die deutlich gekürzte FSK ab 12-Version des Abendfernsehens zugrunde liegt. Es darf jedoch bezweifelt werden, dass die ungeschnittene Version den Film erheblich aufwertet. Falls doch wird diesem Umstand sofort Rechnung getragen, sobald diese Szenen eingesehen werden konnten. Immerhin; sieht man die Turnszenen noch als Action, dann sind diese im Finale ganz nett anzuschauen.

Andererseits; mit welcher Erwartungshaltung hat man sich Spitfire genähert? Sicher, Pyun hatte mal als Assistent von Meister-Regisseur Akira Kurosawa (Die sieben Samurai) gearbeitet, doch seine Filme waren eigentlich alle dem B- und C-Film-Sektor entsprungen. Einige durchaus bekanntere Werke wie die Nemesis-Reihe entstanden aber die Qualität schwand später in seiner Karriere gar noch weiter, als das hier der Fall war, vor allem nachdem er sich von seinen Produzenten Karnowski und Mooradian trennte. Für jemanden wie Pyun, der stets gerne mit ihm bekannten Leuten arbeitete, sicher ein auch künstlerischer Rückschlag.

Doch hier waren die Genannten noch an Bord und auch unter der restlichen Crew gab es viele alte Vertraute. Komponist Riparetti hat über zwanzig Filme Pyuns vertont, darunter auch Cyborg Warriors [1993], in dem Lance Henriksen ebenfalls spielte. Auch Kameramann George Mooradin wird von Pyun immer wieder eingesetzt und drehte ebenfalls u.a. Cyborg Warriors.

Versucht man nun also, in dem Film nichts weiter als einen harmlosen Spaß zu sehen und konzentriert sich auf dessen freiwillige und unfreiwillige Komik, so kommt man vermutlich doch noch auf eine unterhaltsame Spielzeit. Immerhin gibt es kleine Zitate von John Barrys berühmten "James Bond"-Thema in der Musik, eine knackige Turnerin, die sich wie ein Karate-Ass durch die Szenerie prügelt (und überhaupt erst schlägt und dann fragt, was wohl auch den Filmtitel Spitfire erklärt, was übersetzt "Hitzkopf" bedeutet), einen Bilderbuch-Spion mit Jetpack und Schurken, die so unfähig sind, dass sie einem Kinderfilm entsprungen sein könnten. Dort würden sie noch Sinn machen, damit sie von unter 10-Jährigen überlistet werden können. Der Running Gag der vielen Kinder von Agent Richard Charles bietet überdies alleine schon einiges an Witz, weil man als Zuschauer irgendwann an den Punkt kommt, jeden Protagonisten für ein weiteres Kind von ihm zu halten. Auch hier könnte man, wenn man dem Drehbuch denn soviel Originalität zutrauen möchte, unterstellen, dass man die Libido eines James Bond aufs Korn nehmen wollte, indem man sie mit dem Verhütungsverhalten unaufgeklärter 15-Jähriger kombiniert.

Der Geheimagent im Dienste ihrer Majestät stand zumindest unerreichbar Pate, was man in den trashigen, günstig auf 007 getrimmten Credits schon sehen kann. Die Huldigung ist offensichtlich, selbst wenn man nicht weiß, dass Pyuns Interesse an Filmen laut eigener Aussage von James Bond geweckt wurde.

In der Hauptrolle turnt sich eine athletische Kristie Phillips durch die Szenerie und bekommt dabei zur Freude männlicher Zuschauer häufig die Gelegenheit ihren durchtrainierten Körper zur Schau zu stellen, wenn auch nicht ganz so freuzügig wie ihre schnell das zeitliche segnende Filmmutter. Obwohl die Olympia-Athletin und Listenletzte der US-Turnmeisterschaften 2000 sympathisch wirkt wundert es nicht, dass ihre Filmkarriere mit diesem Film begann und endete.

Papa und Superspion Richard Charles bekommt von Lance Henriksen Leben eingehaucht, der hier praktisch nur als Katalysator fungiert und Ereignisse in Gang setzt oder sarkastisch kommentiert. Dabei wird er die ganze Zeit im Smoking durch halb Europa geschippert, kriegt wie gesagt einige flotte Sprüche ab, ist dann aber doch die meiste Zeit zur Untätigkeit verdammt. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass er die Rolle und den Dreh mit (Galgen-)Humor nahm, was dem locker-leichten Stil des Spions zu gute kommt. Lediglich in einer Szene gegen Ende (gefangen im Transporter des Feindes und mit dem drohenden Scheitern seiner Mission konfrontiert) verliert er diese Leichtigkeit und wird ernst. Ein kleiner Bruch, den man verzeihen kann, weil er darüber hinaus zwar sicher unterfordert aber mit Spaß bei der Sache ist. Seine Szenen sind nicht selten die kleinen Highlights des Films.
Für Henriksen war Spitfire bereits die zweite und bis heute letzte Zusammenarbeit mit Pyun nach Cyborg Warriors.

Ansonsten bietet Spitfire noch Supermans Gegenspielerin Sarah Douglas (Superman II – Allein gegen alle) als fiese Carla und Tim Thomerson als nervigen Reporter Beachum. Gerade diese beiden gehen deutlich zu theatralisch an ihre Figuren heran, sodass man sich wünscht, jemand hätte ihnen am Set den Kaffee weggenommen. Thomerson ist ebenfalls ein alter Bekannter Pyuns (u.a. ebenfalls Cyborg Warriors), der aber auch abseits dieser Werke gut im Geschäft ist und immer wieder in einer Vielzahl von Filmen und TV-Serien in Nebenrollen zu sehen ist. Neben Lance Henriksen war er auch in Near Dark [1987] und unlängst in Devil on the Mountain [2006] zu sehen.

In einem winzigen Auftritt als einer von Carlas Schlägern zu Beginn des Filmes ist zudem Brion James zu sehen, auch wenn er in den Credits nicht aufgeführt wird. James, am ehesten wohl bekannt durch Blade Runner, aus dem er hier auch zitieren darf, wirkte seit Nemesis bis zu seinem frühen Tod 1999 in mehreren Pyun-Filmen mit und war neben Lance Henriksen u.a. in House III zu sehen. Mit Tim Thomerson verband ihn eine lange Freundschaft. Als Coach Crandall ist Gary Schmoeller zu sehen, der seit diesem Film, den er gleich auch noch produzierte, ebenfalls zum Dunstkreis Pyuns gehört.

In den USA erschien der Film als Videopremiere am 24.01.1995. Eine deutsche oder amerikanische DVD-Version ist bisher nicht erschienen. In Deutschland erschien lediglich eine VHS vom Label VPS. Der Ton war nur Mono, die Freigabe ab 18 Jahren, das Bild 1,33:1. Bei den TV-Ausstrahlungen (anfangs unter dem Titel Agentin wider Willen) wurde ein Bildformat von 1,66:1 geboten.


Fazit:

Eine mit nur geringen Variationen schon x-fach gesehene Geschichte, die sich nicht zwischen Thriller und Satire zu entscheiden vermag und im Endergebnis halbgar wirkt, wird von einer schlechten Inszenierung noch zusätzlich im Gesamteindruck geschwächt.

Als naives Trash-Vergnügen, bei dem man sich auf den freiwilligen und vor allem auf den unfreiwilligen Humor konzentriert, mag Spitfire dem einen oder anderen Betrachter immerhin noch harmlose Freude bereiten- und die sei jedem gegönnt. Lance Henriksen als nicht ganz so souveräner Quasi-Verwandter von James Bond ist sicherlich einen Blick wert und letzten Endes ist der Spuk auch schnell vorbei.

Ein in irgendeiner Weise guter Spionagefilm oder eine satirische Variante desselben ist aus der Turnreise durch halb Europa dank Autor/Produzent/Regisseur Pyun aber nicht geworden.

 


Wertung: 1,5 von 6 Punkten


Der Lance-Faktor:

Rolle: Richard Charles
Synchronsprecher: Joachim Höppner

Für Lance Henriksen war Spitfire die zweite und letzte Zusammenarbeit mit Regisseur Albert Pyun. Bereits kurz zuvor, 1993, hatte er in dessen Knights bzw. Cyborg Warriors eine Hauptrolle gespielt. Ein eher mässig bezahlter Job, den er dazu nutzte, als Android Job heilos aufzudrehen. Zumindest ausreichend Spaß war damit wohl gegeben und ähnliches kann man auch bei diesem Film erahnen. Gedreht wurde in Florida mit Schauspielern, mit denen Lance auch in verschiedenen anderen Produktionen mitwirkte, wie Tim Thomerson, der ebenfalls in Cyborg Warriors zu sehen war, vorher schon in Near Dark dabei war und Jahre später in Devil on the Mountain wieder neben Lance auftrat, und Brion James, der mit Lance in House III [1989] brillierte. Lance selbst lieferte als Geheimagent Richard Charles eine herrlich launige, augenzwinkernde Darbietung ab, sich offensichtlich schon im Vorfeld über das trashige Ergebnis im Klaren.

Im Film wird er zwar mit einer herausstellenden "and"-Nennung in den Credits geführt, dafür aber fälschlicherweise als "Lance Henrikson" bezeichnet.

Der inzwischen leider verstorbene Star-Synchronisierer Joachim Höppner (Ian McKellen, Jon Voigt, F. Murray Abraham) war hier zum ersten aber nicht letzten Mal für Lance Henriksen zu vernehmen. Ein Wiederhören gab es u.a. in Scream 3 und One Point Zero.

 

Wertung: 4 von 6 Punkten

2009
DS