Genre: Fantasy / Abenteuer
Originaltitel: Pirates of Treasure Island
Laufzeit: 76:30 Min. (ohne Abspann), 82:05 Min. (mit Abspann)
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2006
FSK-Freigabe: ab 16 Jahren

Regie: Leigh Scott
Autor: David Michael Latt und Leigh Scott (Story), Leigh Scott und Carlos de los Rios (Drehbuch)Musik: Mel Lewis
Darsteller: Lance Henriksen, Tom Nagel, Rebekah Kochan, Rhett Giles, Jeff Denton, James Ferris

Kurzinhalt:

Der junge Gastwirt Jim Hawkins (Tom Nagel) gelangt durch Zufall an eine Schatzkarte, als zwei vermeintliche Piraten in seiner Schänke sterben. Gegen den Rat seiner Freundin Anne (Rebekah Kochan) und mit Hilfe von Dr. Livesley (Jeff Denton) will sich Hawkins auf den Weg zur Schatzinsel machen um dort das verborgene Gold von Captain Flint zu suchen.

Beim Versuch, eine Schiffsbesatzung zusammen zu stellen, gerät Hawkins an den Koch John Silver (Lance Henriksen)- und holt sich mit ihm eine Truppe gieriger Freibeuter an Bord. Auch Silver segelte einst mit Flint zur Schatzinsel, wo es zur Meuterei kam und schließlich alle vor riesigen Insekten-Kreaturen fliehen mussten. Hawkins kommt Long John Silver zwar auf die Schliche, doch da die Reise voller Gefahren ist, rauft man sich (vorerst) zusammen…


Kritik:

Im Sommer 2003 gelang Disney-Studios in Zusammenarbeit mit Erfolgsproduzent Jerry Bruckheimer etwas, worauf man spekulieren konnte, was aber dennoch als unwahrscheinlich galt; sie reanimierten mit Fluch der Karibik den Piratenfilm!

Seeräuber-Abenteuer haben eine lange Tradition in Hollywood. Unzählige Recken fochten sich bei hohem Wellengang mit Entermessern einem Schatz entgegen, waren mal Schurken, mal Helden. Jahrzehntelang waren sowohl teure Studioproduktionen aus den USA als auch oft billigere europäische Kollegen nahezu eine sichere Bank. Doch dann wurde es allmählich ruhig um die Piraten. Das Subgenre hatte scheinbar seinen Zenit überschritten, versuchte sich zu verändern und etwa durch die Komödie die Herzen der ganzen Familie als Zielgruppe zu erbeuten (etwa in Polanskis Piraten, 1986).

Den Versuch der Wiederbelebung wagte schließlich Renny Harlin, bis dahin erfolgsverwöhnter Regisseur von Hits wie Cliffhanger und Stirb Langsam 2. Mit seiner damaligen Ehefrau Gena Davis an Deck drehte er Die Piratenbraut als bombastischen Abenteuerfilm, der den Geist der klassischen Vorgänger atmete, ihn aber gleichzeitig für ein modernes Publikum aufregend in Szene setzte- und dabei finanziell desaströsen Schiffbruch erlitt. Heute ist der Ruf des Films beim Publikum weitgehend wiederhergestellt, doch seinerzeit war der Film ein gigantischer Flop. Die Rückkehr des Piratenfilms war missglückt und die Seeräuber strichen auf Jahre die Segel.

Erst Jerry Bruckheimer gelang zusammen mit Regisseur Gore Verbinski das Unwahrscheinliche; er machte aus einer Disney-Themenpark-Attraktion einen Effekt-geladenen Abenteuerfilm, der zur richtigen Zeit den Nerv des Publikums traf und vor allem dank eines überragenden Johnny Depp in der Hauptrolle zu einem großen Erfolg führte.

Nun, und wo ein Erfolgsfilm ist, da kann The Asylum nicht fern sein, jene Gesellschaft, die stets dann zur Stelle ist, wenn es gilt einen Blockbuster mit geringen finanziellen Mitteln und nur leicht variiertem Inhalt so kostengünstig wie möglich zu kopieren und mit ähnlich klingenden Titeln ein am Blockbuster interessiertes Publikum für den eigenen Film zu gewinnen. Es überrascht kaum, dass auch Fluch der Karibik bzw. Pirates of the Caribbean, ein "Opfer" von Asylum wurde, auch wenn man sich dafür einen anderen Themenkreis suchte.

Anstatt sich der Geschichte vom verfluchten Gold aus dem Disney-Park anzunehmen plünderte man dieses Mal lieber die literarische Schatzkiste und förderte dabei den Klassiker "Die Schatzinsel" von Robert Louis Stevenson zutage. Natürlich war man bei Asylum nicht daran interessiert eine adäquate Roman-Adaption vorzunehmen (dafür gibt es aber auch bereits über 20 verschiedene filmische Inkarnationen). Vielmehr nahm man die Grundidee und würzte sie mit den üblichen Zutaten Asylums; man nehme ein dünnes Skript, packe ein bekanntes Gesicht in die Menge, versetze das ganze mit einigen Kreaturen und fertig ist der Film.

Als Regisseur für Asylums Seemannsgarn wurde Leigh Scott eingesetzt, der später u.a. den "Mockbuster" Transmorphers für Asylum drehte und 2006 auch noch Dracula's Curse über die Zuschauer brachte. Scott entwarf mit David Michael Latt die Geschichte von Pirates of Treasure Island nach Motiven Stevensons und schrieb schließlich mit Carlos De Los Rios das (dünne) Drehbuch. Auch war er als Pirat Bill Gunn, der bei einer früheren Expedition zur Schatzinsel als Einsiedler auf selbiger zurück geblieben war, in einer Nebenrolle vor der Kamera zu sehen.

Leider ergeben sich vor der Kamera allerdings einige Probleme. Tom Nagel in der Hauptrolle des, hier deutlich älteren, Jim Hawkins bleibt leider viel zu blass. Fast noch schwerwiegender wirkt sich der gleiche Effekt bei der weiblichen Hauptrolle aus, die Rebekah Kochan füllt. Als zunächst harmlose Freundin von Hawkins und später verruchte Piratin hätte sich hier einiges Potential erschlossen- wenn sie das Material denn genutzt hätte. Sowohl Nagel als auch Kochan waren übrigens auch bei Dracula's Curse an Bord.
Gerettet wird das Schauspiel zumindest in Teilen durch Lance Henriksen als einbeiniger Pirat Long John Silver. Das Drehbuch gestattet der Figur zwar keine sonderliche Tiefe, doch diese erhält der Antagonist des Films nahezu von selbst durch das markant faltige Gesicht und die rauchig-tiefe Stimme Henriksens, der, gelegentlich etwas chargierend, den kochenden Seebären zum Leben erweckt.

In seiner Gesamtheit kann der Film freilich nicht völlig begeistern, was mitnichten an den Erwartungen liegt. Diese setzt man bei The Asylum von vornerehein irgendwo im Trash-Sektor an.
Doch selbst wenn man Budgetbeschränkungen und die scheinbar unvermeidlichen Logikprobleme außer Acht lässt stören dennoch einige Dinge; deutlich zu klinische Sets und Kostüme, die eben wie solche aussehen, ein unpassend blau angemaltes Piratenschiff, nicht weiter erklärte übernatürliche Kreaturen auf der Schatzinsel, die viel zu wenig zu tun bekommen, kurze und unspektakuläre Actionszenen sowie blasse Charaktere. Auch die Dialoge hätten deutlich mehr Schliff vertragen. Vielen Szenen fehlt der Antrieb, sodass der kurze Film in einigen Momenten immer noch zu lange wirkt. Die Regie von Leigh Scott lässt, vor allem in den Actionszenen, zu wünschen übrig, ein Gespür für selbige fehlt. Vor allem aber gelingt es ihm nur selten so etwas wie Atmosphäre aufzubauen.

Vielleicht wäre "Pirates of Trash Island" doch ein passsenderer Titel für den Film gewesen, der 2006 im Kielwasser von Fluch der Karibik passend zu dessen Fortsetzung veröffentlicht wurde und nun pünktlich zum vierten Teil im deutschsprachigen DVD-Sektor ankert.

Trotzdem können alle, die mit anderen Arbeiten von The Asylum vertraut sind, halbwegs beruhigt sein; Pirates of Treasure Island ist mitnichten die Krone unter den Trash-Juwelen, doch von Asylum gibt es auch deutlich schlechtere Filme. Die CGI-Effekte sind heutzutage zwar etwas besser geworden und meist bekommt man mehr als nur ein bekanntes Gesicht zu sehen. Trotzdem gibt es für Freunde des Trash auch hier genug freiwilligen und unfreiwilligen Humor um bar jeden Anspruchs für die kurze Spielzeit passabel unterhalten zu werden.


Fazit:

Pirates of Treasure Island kann weder mit Fluch der Karibik mithalten, noch ist er eine adäquate Romanverfilmung oder wenigstens ein Spitzenreiter des Trashkinos. Dem zum Trotz gelingt es dem etwas zähen Trash-Film das geneigte Publikum über die Laufzeit bei Laune zu halten. Sei es auch nur, weil man sich über manches Logikloch amüsiert. Kein guter Film aber ein passabler Mockbuster aus der The Asylum-Schmiede. Immerhin.

Wertung: 3 von 6 Punkten


Der Lance-Faktor:

Rolle: Long John Silver
Synchronsprecher: Klaus Nietz

Für Lance Henriksen stellte der Piratenfilm die zweite Zusammenarbeit mit The Asylum dar. Der andere Film, The Da Vinci Treasure, erschien ebenfalls 2006. Mit Regisseur Leigh Scott kam es jüngst zu einer erneuten Zusammenarbeit. In Scotts The Witches of Oz (2011) ist Lance in einer Nebenrolle als Henry Gale zu sehen.

Doch zurück zu Asylums Pirates of Treasure Island; Lance als Long John Silver ist, wie der gesamte Film, nicht allzu nah an der Romanvorlage. Ihm gelingt dennoch die beste und denkwürdigste Darbietung des gesamten Ensembles wenn er knurrend, grinsend und fluchend über die Planken marschiert. Obwohl der Film Jim Hawkins folgt ist doch Long John Silver der eigentliche Star. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass die Fans viel von Lance zu sehen bekommen. Wenn auch in einer etwas ungewohnten und nicht allzu gut geschriebenen Rolle.

"Ich schwöre bei meiner Spucke: die Insel, ob Ihr sie kennt oder nicht, ist verflucht."

An der Sprecherfront gibt es auch diesmal wieder einen neuen Namen; Klaus Nietz legt sich für Long John Silver mächtig ins Zeug. Nietz, Jahrgang 1943, war und ist auch als Schauspieler immer wieder vor die Kamera getreten, stimmlich aber wohl am ehesten durch wiederkehrende Rollen in Erfolgsserien wie Dead Zone (für David Ogden Stiers als Reverend Purdy) und jüngst Lost (für Alan Dale als Charles Widmore) bekannt.

In diesem Film überzeugt Nietz zwar weniger mit Ähnlichkeit zu Lance Henriksens Performance als vielmehr einer eigenständigen, zum Trash-Faktor des Film und der Figur passenden Interpretation des Textes.

Wertung: 3,5 von 6 Punkten

26.04.2011
DS